Hintergrund
Das Casting
In China wurden die Kinder gecastet, die die 60 Waisenkinder spielen sollten. Arthur Cohn hatte zuletzt mit Kindern am Set von DIE KINDER DES MONSIEUR MATHIEU gearbeitet und davor bei CENTRAL STATION. „Wir waren uns alle einig, dass das Casting dieser Kinder entscheidend sein würde für das Gelingen des Films“, erklärt Wieland Schulz-Keil.
Obwohl der Film auf Englisch gedreht wurde, mussten die Kinder die Sprache nicht sprechen, mit Ausnahme von Shi-Kai. Die Filmemacher besuchten in China zwei Arten von Schulen. In der einen werden die Schüler zu Darstellern für die Peking-Oper ausgebildet, in der anderen werden hauptsächlich Kinder von Wanderarbeitern unterrichtet. Diese Kinder kommen aus sehr armen Familien, und der Schauspielunterricht soll ihnen helfen, sich mit Kindern aus anderen Bevölkerungsschichten zu verständigen und sich in ihrer Gesellschaft zurechtzufinden. „Wir haben uns Hunderte von Kindern angesehen“, so Schulz-Keil, „und sie haben uns alle beeindruckt.“
Chow Yun Fat, einer der bekanntesten Schauspieler Chinas, erklärte schon früh sein Interesse an der Rolle Chens, des chinesischen Partisanenkämpfers, der Hoggs engster Freund wird. „Ich drehte gerade in einer Kleinstadt in der Nähe von Toronto“, erinnert sich Chow Yun Fat, „und Roger Spottiswoode flog dorthin, um mich dort zu treffen. Er sprach sehr leidenschaftlich von seinem Projekt. Als ich das Buch las, beeindruckte und rührte mich Chens Weg sehr und ich gab Roger schnell zu verstehen, dass ich den Film unbedingt drehen wollte“.
Für die Titelrolle engagierten die Produzenten den charismatischen irischen Schauspieler Jonathan Rhys Meyers, der durch Woody Allens MATCHPOINT bekannt geworden war und gerade einen Golden Globe für seine Darstellung des Elvis Presley in dem Fernsehfilm ELVIS gewonnen hatte. „Johnny ist ein waschechter Brite“, so Spottiswoode. „Für mich besaß er genau die richtige Schnittmenge aus Wissen und Nichtwissen, um glaubwürdig in die Welt unseres Films einzutauchen“. Rhys Meyers räumt ein, dass er im Vorfeld nicht viel über China recherchierte, weil er all das erleben und spüren wollte, was auch Hogg erlebt hatte, als er in Shanghai eintraf – das Gefühl der Fremdheit am Ende der Welt, aber auch die damit einhergehende Exaltiertheit und Aufregung. „Ich wollte mit denselben Dingen konfrontiert werden wie Hogg – sich plötzlich in einer fremden Welt wiederzufinden, weit weg von allem, was man kennt“, sagt Rhys Meyers. Was die Filmstory angehe, so erklärt Rhys Meyers, fühle er sich grundsätzlich zu Geschichten über Beziehungen hingezogen. „Die Intimität von Beziehungen ist es doch, die die wahren epischen Geschichten ausmacht. Gibt es etwas Epischeres, als das menschliche Herz? Es kann alles sein – konstruktiv oder destruktiv, und diese beiden Aspekte erleben wir hier dank der Figuren des Films.“
Für die Rolle von Rhys Meyers Partnerin Lee engagierte man Radha Mitchell, die aus so unterschiedlichen Filmen wie MELINDA UND MELINDA, WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN und SILENT HILL bekannt ist. Radha Mitchell gefiel besonders, "dass die Geschichte von den Opfern des Krieges handelt – davon, was geschieht, wenn man allein und verlassen ist. Jede der erwachsenen Hauptfiguren ist auf der Suche und sehnt sich nach einem Stück Heimat und einem Platz im Leben, und genauso ergeht es auch den Kindern.“
Roger Spottiswoode hatte bereits bei JAMES BOND 007 – DER MORGEN STIRBT NIE mit Michelle Yeoh zusammengearbeitet, einer langjährigen Bekannten Arthur Cohns. Der Star aus China, weltweit gefeiert für ihre großartigen Leistungen in Filmen wie TIGER & DRAGON und MOONLIGHT EXPRESS, reagierte begeistert, als Spottiswoode ihr die Rolle der Madame Wang anbot. „Er sprach mit mir ausführlich über die Geschichte des Films, voller Leidenschaft und Vitalität“, erinnert sie sich. „Ich las das Drehbuch und konnte mich sofort mit Madame Wang identifizieren. Sie ist so typisch für das China jener Epoche, eine Witwe, die gegen jede Chance überleben will.“
Wenige Wochen vor Drehbeginn waren einige Nebenrollen noch nicht besetzt. Der australische Schauspieler David Wenham (DER HERR DER RINGE) wurde gefragt, ob er die Rolle des Kriegskorrespondenten Barnes übernehmen wollte. Weil man seine Drehtage auf einen kurzen Zeitraum komprimierte, konnte er die Rolle spielen, bevor die Proben zu Baz Luhrmanns Epos AUSTRALIA begannen.
Weltweit wurde nach dem Darsteller von Shi-Kai gesucht, dem 16-jährigen Anführer der Waisenjungen. „Wir suchten in Toronto, Vancouver, den USA und London und fanden unseren Darsteller schließlich mit Guang Li, einem Schüler aus Sydney“, erinnert sich Spottiswoode. „Er ist sehr talentiert, äußerst intelligent und besitzt eine unglaubliche interessante Ausstrahlung. Wir hatten uns rund 100 Kinder angesehen. Als wir ihn fanden, waren wir alle enorm erleichtert“. Guang Li, der fließend Englisch und Mandarin spricht, ist in dieser Rolle zum ersten Mal auf der Leinwand zu sehen.



